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Bye Etsy – von einem kurzen Vergnügen

Meinen Etsy Shop gibt es ab heute nicht mehr – aber das ist kein Grund zur Trauer, viel mehr freue ich mich. Denn mit Etsy und mir war das so eine Sache: Wir passen einfach nicht zusammen und so endete diese kurze Liebe nach nur einem Monat und zehn Tagen. Das ist nicht besonders lang, aber eben auch keine kurze Disco-Bekanntschaft. Die Zeit hat gereicht um mich erkennen zu lassen, dass Etsy schon eine coole Sache ist: so viele, wunderschöne, handgemachte und einzigartige Produkte! Aber die Zeit hat eben auch gereicht um mich erkennen zu lassen, dass Etsy einfach nicht zu mir passt: so viele, wunderschöne, handgemachte und einzigartige Produkte! Okay, okay – ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Gründe für den Shop-Stop sind vielfältig und weil ich oft auf Instagram gefragt wurde wieso, weshalb, warum präsentiere ich hiermit eine ganz offizielle, wahrheitsgemäße Liste der Gründe warum Schluss ist mit Etsy und mir:

1. Ich habe keine Geduld

Wer einen Shop bei Etsy oder DaWanda eröffnet der braucht neben einigen Kleinigkeiten wie einem Kleingewerbe auch etwas viel essentielleres: Geduld. Geduld. Geduld und noch viel mehr Geduld. In meiner naiven Vorstellung habe ich mir gedacht, dass ich mit nur einem Produkt (der Henry Anleitung) ein riesiger Kassenschlager werde; dass ich schon nach 5 Minuten 20 Verkäufe habe und mit dem Geld nicht nur meine (viel zu hohen ^^) Wollkosten decken kann sondern gleich nach der ersten Woche mein Leben im Pott aufgebe und mitsamt Katze und Mann ein Häusschen auf Hawaii beziehe. Das ist aber nicht so. Natürlich habe ich vorher recherchiert und mich schlau gemacht und ich wusste, dass es nicht so laufen würde – nichtsdestotrotz: enttäuscht war ich irgendwie trotzdem. Geduld ist wirklich wichtig – es dauert nun mal seine Zeit bis Menschen auf den eigenen, kleinen Shop aufmerksam werden. Diese Geduld habe ich nicht.

2. Immer nur dasselbe?

Ich finde meine Anleitung gut. Ich mag sie. Da steckt eine Menge Arbeit drin, ich mag das „Endprodukt“ und ich bin ein klein wenig stolz auf mich und das soll auch alles so sein. Nichtsdestotrotz bin ich nicht so sehr davon überzeugt, als dass ich nur noch mein Produkt konsumiere. Mit anderen Worten: Ich mag Henry. Ich find ihn süß und das Häkeln macht Spaß – allerdings eben nicht so viel, als dass ich nur noch Henrys häkeln möchte. Ein Beispiel: Ich mag Eis. Ich liebe Eis. Ich liebe die vielen verschiedenen Sorten und ich kann Eis auch im Winter essen – nichtsdestotrotz könnte ich nicht jede meiner Mahlzeiten durch Eis ersetzen und bis an mein Lebensende nur noch Eis essen (ok.. vielleicht ja doch.). Natürlich kommen im Laufe der Zeit noch andere Anleitungen dazu, aber Henry wäre irgendwie immer da. Dabei gibt es doch so viele tolle Amigurumis da draußen die nur darauf warten gehäkelt zu werden – ich möchte nicht immer nur meine Sachen häkeln, ich möchte mich auch mal fallen lassen und anderen blind vertrauen und Anweisungen befolgen. Ist das verständlich erklärt?

3. Marketing ist nicht so meins

… und das so ganz und gar nicht. Ich habe keine Lust immer nur Fotos von Henry zu machen, zu posten und dazu zu schreiben, dass es die Anleitung in meinem Etsy Shop gibt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich finde das generell nicht schlimm – aber zu mir passt es eben nicht. Es gibt so viele tolle Amigurumis, die ich häkeln und fotografieren möchte – ich will mich nicht nur auf meine Anleitungen beschränken (müssen). Bei anderen Accounts (dieser Artikel ist sehr Instagram-lastig, merke ich gerade) stört es mich eben nicht – die abonniere ich ja auch schließlich, weil ich die Tiere so super finde und auf neue Kreationen warte. Meinen Feed möchte ich so aber nicht haben.

4. Verkaufszahlen bestimmen nicht meinen Wert!

Okay, zugegeben, das ist sehr hart ausgedrückt. Natürlich bestimmen Verkaufszahlen nicht meinen menschlichen Wert und auch nicht den des Produktes. Allerdings gab es einen kleinen Knick im Selbstwertgefühl nachdem ich zig Komplimente für Henry bekommen habe und die Verkaufszahlen nach zwei Wochen bei zwei lagen. Das kann viele Gründe haben, die ich hier gar nicht alle benennen kann und will. Es hat mich etwas Zeit gekostet (das klingt sehr pathetisch..) zu verstehen, dass etwas schön UND unverkauft sein kann. Das ist manchmal halt so.

5. Ich muss Anleitungen schreiben, ich muss, ich muss, ich muss.

Dieses Gefühl wird wohl eher etwas psychologisches sein, was ganz sicher nicht jeder so empfindet. Mir ging es aber so: Mein Etsy Shop muss voller werden, ich brauche mehr Anleitungen, ich brauche mehr Produkte .. Häkeln soll doch Spaß machen und entspannen und keinen Druck erzeugen; ich bin ja auch keine Maschine.
Ich möchte mir keinen Druck machen – wie oben erwähnt habe ich des Öfteren Lust einfach den Kopf auszuschalten und der Anleitung anderer Menschen zu folgen. Wenn ich schreiben will, dann tue ich das. Das werde ich auch in Zukunft wieder tun – aber eben unregelmäßig und nach Lust und Laune.

6. Etsy oder der Blog?

Ich hatte das Gefühl mich entscheiden zu müssen zwischen Shop und Blog – zunächst fiel die Wahl auf den Shop, aber der Blog hat mich nicht in Ruhe gelassen und schwirrte in meinem Kopf herum wie ein Geist. Jetzt entscheide ich mich für den Blog. Ich werde ihn hegen und pflegen und wieder mehr schreiben. Ich mag Schreiben. Wieso also nicht?

Und nun? Was ist mit Henry und dem Shop und sowieso?

Der Shop bleibt geschlossen – vielleicht werde ich in Zukunft einen Shop eröffnen um dort fertige Häkeltiere zu verkaufen, allerdings nur um Platz zu schaffen in der Wohnung.
Der Blog soll wieder aktiver werden – mehr Artikel, mehr Lesen, mehr Schreiben. Das ist ja neben dem Häkeln genau das, was ich mag.
Und Henry? Henry wird weiterverkauft – für einen guten Zweck. Wer die Anleitung in Zukunft kaufen möchte, kann das bei Mamameindl tun – sie sammelt Geld für herzkranke Kinder und deren Familien – eine tolle Sache wie ich finde; deswegen habe ich mich entschieden meine Anleitung zu spenden.

Etsy und ich, das war nicht die große Liebe, die man mit nachhause nimmt, den Eltern vorstellt und mit der man Häuser kauft – es war mehr eine jugendliche Verliebtheit: stark genug um große Pläne zu schmieden, aber eben nicht stark genug. Das ist okay und das ist auch gut so für mich. Wenn Du, lieber Leser, planst einen Shop zu eröffnen und deine handgemachten Dinge zu verkaufen, möchte ich dich keineswegs davon abhalten! Go for it! ❤

 

 

5 Kommentare zu „Bye Etsy – von einem kurzen Vergnügen

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