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Amigurumis fotografieren: Wenn der Küchenboden zum Hintergrund wird

Irgendwann, vor langer, langer Zeit in einer anderen Wohnung, in einem anderen Stadtteil hat sich eine junge Frau – nennen wir sie Marble – dazu entschlossen einen Instagram Account zu eröffnen um dort ihre gehäkelten Tierchen zu präsentieren, Inspiration zu finden und sich mit anderen Wollsüchtigen auszutauschen. Es dauerte eine Weile bis sie ihren Stil fand und vom weißen Hintergrund zum Küchenboden wechselte.
Moment! Küchenboden? Ich muss zugeben, die Geschichte kann nicht in dritter Person weiter erzählt werden. Deswegen folgt jetzt, meine Damen und Herren, die Geschichte meiner Amigurumi Fotografie und wie es so weit kommen konnte, dass ich meine Tierchen auf den kalten Küchenboden lege – erzählt in Ich-Perspektive:

Ganz am Anfang, als ich angefangen habe Amigurumis zu fotografieren, wollte ich das möglichst professionell machen – mit einer Kamera (die meinem Mann gehört) und weißem Hintergrund, möglichst künstlerisch aber doch in Flat-Lay-Optik, perfekt ausgeleuchtet, schön anzusehen. Also habe ich (Not macht erfinderisch) große Papierblätter positioniert und mit Taschenlampen, Handys und Nachtleuchten belichtet um ja das perfekte Bild zu schießen.

dsc_0239
Das war anstrengend, weil es nur auf dem Boden ging (überall sonst war ein Schatten zu sehen ..), nervig (denn die Katze lief immer ins Bild, hat ein Amigurumi geklaut oder mit einem Wollknäuel gespielt), zeitaufwendig (denn das Fotostudio musste jedesmal neu aufgebaut werden) und einfach meh. So sah das Ganze dann aus:

 

Man muss jetzt wirklich kein Experte sein um zu sehen, dass diese Bilder eher gewollt und nicht gekonnt sind als tatsächliche Fotokunst. Und natürlich hätte ich es so lassen können oder an meinen Fähigkeiten (auch in Sachen Bearbeitung) arbeiten können. Ich habe einiges probiert und etwas experimentiert, dann aber festgestellt, dass weiß und Flat-Lay einfach nicht so meins sind. Ich find es toll mir sowas anzugucken und ich liebe diese kleine, weiße, perfekte Welt – nur mein Stil (und Können) ist es eben nicht.

Ich habe also angefangen zu experimentieren und mir ist aufgefallen wie viele, tolle und bunte Hintergründe sich in meiner Wohnung und ihrer Umgebung verstecken: die blaue Wand im Wohnzimmer, das schöne Laminat, Bettwäsche, der Blick aus dem Fenster, die Wand vom Supermarkt nebenan, der Vorhang an der Tür … und ich habe einfach angefangen mein Umfeld als Hintergrund zu benutzen.
Ich muss zugeben, dass ich immer dachte, dass das ja klar ist und ich denke bei Wänden war es das auch. Gestern allerdings habe ich dieses Foto bei Instagram hochgeladen:

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Dazu habe ich „Große Küchenbodenliebe <3“ geschrieben und andere Häkelmenschen haben kommentiert und mir privat geschrieben, dass mein Küchenboden toll ist – Danke dafür ❤ 😀 und sie nie gedacht hätten, dass das mein Küchenboden ist. Ist er aber wirlich, noch vom Vormieter und ich meine den gibt es bei Poco oder Tedox für kleines Geld.

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Wenn also der Küchenboden so getarnt ist, erkennt man dann andere Hintergründe ebenfalls nicht?
Eine kleine Galerie:

 

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Ich dachte wirklich die ganze Zeit, dass jedem Betrachter klar ist, dass es sich bei der Wiese um eine Badematte und bei dem bunten Hintergrund um einen Couchtisch handelt. Es freut mich, dass meine „optischen Täuschungen“ gelingen. Es macht mir Spaß neue Hintergründe zu suchen und zu finden, mit dem Licht zu spielen und aus einem Küchenboden eine schöne Holzkiste zu zaubern. Ich habe angefangen Dinge mit ganz anderen Augen zu betrachten und ich habe gelernt, welche Amigurumis zu welchem Hintergrund passen, wann Kontraste gut sind und wann nicht. Ich bin wirklich kein Foto-Pro, meine Bilder sind mit dem Handy gemacht und entstehen meistens im Vorbeigehen, das ist okay so! Ich kann mein Hobby mitnehmen und auch ohne die Nadel in der Hand zu halten mich mit dem Häkeln beschäftigen.
Nicht alle meine Bilder haben irgendeinen mystischen Hintergrund, oftmals sind es Mauern von (Park-)Häusern, Kirchen oder Strände und Wiesen. Interessant wird es, wenn man den Ausschnitt in der Gesamtheit sieht:

Als ich mit meinem Mann in unsere neue Wohnung gezogen bin, war ich zunächst etwas „enttäuscht“ – in unserer alten Wohnung hatten wir bunte Wände und Vorhänge, verschiedene Böden mehr Möbel und auch mehr Platz und dementsprechend hatte ich Angst keine neuen Hintergründe mehr zu finden. In der jetzigen Wohnung gibt es nur weiße und graue Wände – aber fehlendes Equipment und die absolute Unfähigkeit mit einer Kamera umzugehen haben mich zu einem Hintergrundsucher geschult wie er im Buche steht; ich habe angefangen Amigurumis mitzunehmen wenn ich aus dem Haus gehe um sie draußen zu fotografieren (was die Reaktionen der Umwelt angeht: von neidischen Kinderaugen über Auslachen, Ansprechen und Zugucken war alles schon dabei ^^) und neues zu probieren. Das lohnt sich in meinen Augen definitiv, denn das Fotografieren an sich ist zu einem neuen Hobby geworden und ist fester Bestandteil des Häkelns.

Ich hatte einfach das Bedürfnis einige „Geheimnisse“ zu lüften und ein wenig davon zu erzählen wie das bei mir war bis ich meinen Foto-Stil gefunden habe und vielleicht habe ich den ein oder anderen ja überrascht oder gar inspiriert.

 

 

5 Kommentare zu „Amigurumis fotografieren: Wenn der Küchenboden zum Hintergrund wird

  1. Du bist wirklich echt kreativ! Nicht nur beim Häkeln, sondern im Gesamtpaket. Ich hätte z.B. nie gedacht, dass das Schweinchen auf einer Fußmatte steht (oder auch, dass du so ein großes Amigurumiregal hast :D) und das, finde ich, (natürlich nicht ausschließlich!!!) macht dich zu einem total sympathischen Menschen.

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    1. Vielen Dank für die lieben Worte ❤️ Ich dachte wirklich – bis gestern – dass es offensichtlich ist 😀 aber gut. Und zugegeben: das ist ja eigentlich ein Bücher- und Spieleregal und nur ein Fach sollte für Amigurumis sein. Das war zumindest der Plan als wir es gebaut haben. Es ist nur alles sehr schnell eskaliert. ❤️❤️❤️

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  2. Ach, hätte ich doch auch nur so schöne Küchenböden und Wohnzimmertische! *gg*
    Aber das mit dem Badezimmer-Vorleger merk ich mir – wenn Pink mal passt als Hintergrund für ein Tierchen! =)

    LG Sandra

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