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Amigurumi XXL: Wie Henry lebensgroß wurde

Als ich angefangen habe zu häkeln war mir das Verhältnis zwischen Häkelnadel und Garn zu der Größe des Ergebnisses nicht so ganz klar – ich dachte immer, dass eine kleine Maschenzahl ein kleines Amigurumi bedeutet und wenn ich ein großes Amigurumi machen will, dann .. dann muss ich halt bis auf 200 Maschen verdoppeln. Zwar stand in den ergoogleten Anleitungen immer ein dickeres Garn und eine dickere Nadel als die meine, aber als ob das so einen Unterschied macht, wenn die Nadel nur einen Millimeter größer ist! Oh, meine Lieben, wie ich mich getäuscht habe!
Selbstverständlich sind meine „XXL-Amigurumis“ nie wirklich XXL geworden sonder eher so S bis M. Trotzdem hat mich der Gedanke an ein gigantisches Amigurumi niemals losgelassen, die Angst vor 832 Runden mit 5000 Maschen hat mich allerdings sehr abgeschreckt.

Nun mit etwas mehr Häkelwissen und einer größeren Auswahl an Wolle und einigen selbstgeschriebenen Anleitungen wollte ich das Projekt „lebensgroß und flauschig und süß“ angehen – ich habe mich ganz spontan dazu entschieden, als ich in einem günstigen Möbelmarkt unterwegs war (gibt es eigentlich irgendein Möbelgeschäft, das noch keine Wolle verkauft?!), noch etwas Geld mit hatte und mich die wilde Häkellust überkam. Das riesige Wollregal mit den riesigen Knäulen in supergünstig sprang mich nur so an – leider war die Farbauswahl nicht besonders groß; im Grunde gab es zwei Brauntöne, schwarz, weiß, blau und rot. Weil so ein riesiges Projekt schon etwas sehr besonderes ist, habe ich beschlossen eine Anleitung von mir zu nehmen – es sollte ein Henry werden.

Kennt ihr noch Henry? Die Anleitung gibt es hier.

Und weil ich nicht nur einen großen sondern einen gigantischen Henry wollte, habe ich beschlossen die Wolle gleich doppelt zu kaufen – laut Banderolle ist ein Knäuel geeignet für die Nadelstärke 4, also habe ich einfach eine Häkelnadel mit 7 mm für die doppelte Menge genommen – eine größere hätte mein kleines Händchen ohnehin nicht halten können.

Da mein geliebtes Häkeletui keine Häkelnadel in dieser Größenordnung hergibt, musste ich mir noch fix eine kaufen (auch im Möbelmarkt) und so konnte ich zuhause direkt loslegen – oh, ich hab ja nicht geahnt wie schnell dieses Projekt ins Unermessliche eskalieren würde!

Eines vorab: die Ganze Wolle mit der Häkelnadel hat mich insgesamt nur 30 Euro gekostet – man könnte meinen das sei viel für ein einziges Amigurumi, aber für die Größe ist es vollkommen okay.

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Mein Blick voller Vorfreude – und ein bisschen Nervosität.

Das Einzige was mir von Anfang an Sorgen bereitet hat war das Füllmaterial – ich wollte kein Vermögen für Bastelwatte oder Kissen lassen und habe deswegen auf Instagram nach einer kreativen Lösung gesucht und siehe da: eine liebe Häkelfreundin hat mich dann auf die Idee gebracht, ich könnte meinen XXLHenry einfach mit Altkleidern füllen – davon hatte (!) ich noch einige und ich kann wirklich jedem raten bei großen Projekten Altkleider zum Füllen zu benutzen – das klappt hervorragend!

Die Materialien:

  • 9 Knäuel Wolle: eines in rot, zwei in dunkelbraun, zwei in schwarz, vier in braun. Ich habe Garn von „Twister“ benutzt, das ist myBoshi Garn sehr ähnlich, ist allerdings etwas dünner.
  • Eine Häkelnadel der Stärke 7 mm
  • Füllmaterial, Füllmaterial, Füllmaterial! Du willst so ein Projekt angehen? Sei klug und investiere kein Vermögen in Watte und nimm Altkleider – das funktioniert viel besser als es klingt.
  • Schere
  • Nähnadel mit einem riesigen Öhr.

 

Ich habe zuhause direkt angefangen zu häkeln und mir mit einer wirklich doofen Häkelnadel fast sämtliche Bänder und Sehnen verletzt – mit diesen Nadeln die komplett aus Plastik bestehen kann ich partout nicht umgehen; meine Hände fangen an zu schwitzen und es häkelt sich sehr zäh und langsam.

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Da war das erste Bein noch nicht einmal fertig!

Aus diesem Grund habe ich schon nach den Beinen das Projekt „Henry XXL“ pausiert – und das über einen Monat lang bis ich in dem Wollgeschäft meines Vertrauens neue Prym-Häkelnadeln entdeckt habe (nein, das ist keine Werbung, das Plastikteil war auch von Prym) – mit festem Griff und einem Haken aus Metall. Bis dahin habe ich mich wirklich durch die Beine gequält und meinen Entschluss bereut und wirklich nur weitergemacht weil die Wolle schon gekauft und bezahlt war. Selbst abkleben der Nadel hat nichts gebracht!

Nichtsdestotrotz ist Henry sehr, sehr schnell gewachsen und nach nur wenigen Stunden Arbeit waren die Beine von XXL Henry größer als das Original! Ich habe übrigens nichts an der Anleitung geändert oder abgewandelt oder angepasst – ich habe mich strikt an meine eigene Anleitung gehalten.

Es wächst und es hört nicht auf!

Ich muss schon sagen, dass das schnelle Häkeln sehr viel Spaß gemacht hab – ja, es war auch anstrengend wie Hulle, aber es hat Spaß gemacht den Vergleich zwischen den Garnen und den Nadelstärken zu sehen und es war eine große Befriedigung zu sehen wie schnell mein Henry gewachsen ist.

Über die wahren Probleme, die sich im Laufe des Häkeln herauskristallisierten habe ich mir vorher keine Gedanken gemacht; in meinem Kopf ging es vorher um die Häkelnadel, darum ob die Wolle reicht und ob das mit den Altkleidern so gut klappt – ich habe natürlich nicht einen Gedanken daran verschwendet wie ich häkeln will wenn meine Giraffe immer weiter wächst und somit immer schwerer wird – das hat mich wirklich vor eine Herausforderung gestellt! Ab einer gewissen Größe war es einfach nicht mehr möglich Henry wie ein „gewöhnliches“ Amigurumi zu halten – das ging zum einen nicht, weil ich schwach bin, aber noch viel wichtiger ist, dass sich die Wolle und somit das Maschenbild durch das Gewicht der Wolle extrem verzogen hat.
Zunächst habe ich Henry also auf die Stuhllehne gelegt und seitlich gehäkelt und ihn alle 20 Maschen gedreht und als auch das irgendwann (sehr schnell) nicht mehr ging, habe ich Henry hinstellen müssen. Als er fertig war, konnte er über den Tisch gucken.
Leider, leider, leider gibt es davon kein Foto – es war schlichtweg nicht möglich eines zu machen, das einigermaßen gut ausgesehen hätte – meine schicke Schlabberhose und die Einhornpuschen will ich Dir mal nicht zumuten.

Dank richtiger Nadel ging es ziemlich flott und Henry konnte Runde für Runde wachsen – ein weiteres Problem das sich zeigte war das zusammen nähen; ich hatte Glück das in den unendlichen Weiten der Wollkörbe in meinem Zuhause noch eine Plastiknadel mit einem großen Öhr war, andernfalls wäre Henry ein großer Schlauch geblieben. Das Nähen war jedoch nicht so schön einfach wie bei normalgroßen Amigurumis (und auch das kann schon ein kleiner Akt sein!) – da die Nadel aus Plastik ist und die Maschen dicker als so mancher Knochen war es quasi unmöglich normal zu nähen oder Dinge mit Stecknadeln in Position zu bringen. Auch gut, so kann man immerhin mehr improvisieren – nach einer kleinen „Ich breche zusammen, was habe ich gemacht“Phase hat das schließlich ganz gut geklappt – Tipp: man muss nicht durch die Maschen nähen; die Wolle ist bei so einem Volumen so fasrig, dass das auch so irgendwie fluppt.

Dann kam noch das Befüllen – oder wie ich es liebevoll nenne – das Plustern. Das habe ich wie bereits 42281 Mal erwähnt mit Altkleidern gemacht. Bei so einer Größe ist es auch nicht nötig die Altkleider besonders klein zu schneiden – Shirts konnte man beispielsweise einfach so reinstopfen. Mir war jedoch nicht ganz klar, dass Watte sich viel besser formen lässt als Kleidung – beim Stopfen muss man also ganz besonders darauf achten, dass das Amigurumi seine Form bekommt und behält.

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Das Befüllen der Schnauze – mit einem alten Nachthemd

Das ist nicht ganz einfach wenn es fast so groß ist wie man selbst und deswegen habe ich Henry als er oben vernäht war einfach auf den Boden plumpsen lassen (tut mir leid liebe Nachbarn von unten!) und habe ihn einfach platt getrampelt (iiih, Füße!).

 

Der Rest war Pipifax: Flecken annähen, Fliege binden, Gesicht sticken. Fertig ist XXL Henry – was so einfach und schnell klingt wird von mir persönlich IMMER unterschätzt – allein das Anbringen der Flecken hat über zwei Stunde gedauert.

Zugegeben: ich konnte es selbst kaum glauben, als Henry endlich fertig war – schließlich lag er über einen Monat im UFO-Korb und dann wurde er kurzerhand an zwei Tagen fertig gestellt. Als ich ihn dann so vor mir gesehen habe musste ich mir die Frage stellen was nun mit ihm passiert – als Kissen ist er zu hart und zu groß und für eine Ecke am Kleiderschrank einfach viel zu cool. Ich habe mich dazu entschieden ihn auf eines meiner Wollregale zu stellen – quasi als Wächter. XXL Henry ist übrigens 1,20m groß und wiegt sage und schreibe 5 kg! Dort steht er nun (fast so groß wie das Regal) und kommt beinahe an die Decke. Er ist der Blickfang des Raums – trotz riesigem Buchregals und einem bunten Couchtisch – und jedes Mal wenn ich ihn ansehe bin ich ein wenig stolz. ❤

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Ich hab die Kinder die neidisch geguckt haben übrigens nicht gezählt.

 

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