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Opa – (d)eine ganz persönliche Häkelanleitung

Weihnachten naht – die Zeit für Kekse, Bratäpfel, Gänse; für Geschenke, gemeinsame Zeit und für Familie. Zeit für schöne Erinnerungen:
Als ich noch ein kleines Mädchen war, hat die gesamte Familie zusammen in der Wohnung meiner Oma und meines Opas Weihnachten gefeiert. Meine Mutter und ich sind aus Deutschland nach Polen gefahren und die ganze Wohnung war voller leckerer Gerüche, Tage vorher schwammen schon die Karpfen in der Badewanne. Zu dieser Zeit habe ich natürlich noch an den Weihnachtsmann geglaubt (tue ich heute nicht mehr) und Geschenke waren für mich das Größte an Heiligabend (sind sie nicht mehr). Weil mein geliebter Opa mir diese Illusion nicht rauben wollte, ist er kurz vor der Bescherung immer mit mir spazieren gegangen. Meine Großeltern haben in einem typisch polnischen Betonklotz gewohnt und so sind wir alle 16 Stockwerke mit dem Aufzug abgefahren – hoch, runter, zu Fuß zwei Stockwerke hoch und wieder runter. Vor der Tür geguckt: kein Weihnachtsmann in Sicht. Jedes Mal wenn wir wieder heim gekommen waren, war der Weihnachtsmann schon da gewesen und unter dem Baum lagen Unmengen an Geschenken. Wahlweise sagten meine Oma oder meine Mutter sowas wie „Der Weihnachtsmann war schon hier, aber ihr wart so lange draußen und er konnte nicht mehr warten. Ich soll dich ganz lieb grüßen!“ – ich glaube, als ich 9 Jahre alt war, haben wir diese Tradition zum letzten Mal gemacht.
Jetzt gibt es meinen Opa nicht mehr – vor wenigen Wochen ist er verstorben und weil ich nicht bei ihm sein konnte, habe ich diesen Opa hier entworfen – eine kleine Trauerbewältigung, ein kleiner Tröster ist es geworden.

Warum Opa keinen Namen hat? Opa hat keinen Namen, weil dies nicht die Häkelanleitung für meinen Opa Andrzej ist, sondern für deinen, ganz persönlichen Opa – er ist, was du gerade brauchst und es gibt ihn aus den Gründen, aus denen es ihn gibt ❤

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Opa – der Alltagsheld, der dir Dinge erlaubt, die die Eltern nicht ganz so super finden, der dir heimlich ein Bonbon zusteckt, auch wenn du schon zu viele hattest. Der Mensch mit einer Engelsgeduld, der Tröster und Beruhiger, der Geschichtenerzähler, der Spielgefährte, die gute Seele.
Wieso einen häkeln? Weil jeder mal einen kleinen Alltagshelden braucht und wenn man nicht zu seinem Opa kann, dann häkelt man sich eben einen und denkt dabei ganz fest an ihn. ❤

Bevor du loslegst:

Es handelt sich bei Opa um deinen Opa – egal ob du dir einen wünschst, dich an einen erinnerst oder deinen einfach in mini haben willst; bitte tob dich also bei der Frisur, der Farbwahl und den Details aus und sei kreativ. Ich hoffe du hast so viel Spaß beim Erschaffen deines Opas wie ich auch!
Was das Rechtliche betrifft: Opa und seine Anleitung sind eine Schöpfung von mir, Martyna Szykulla, und die Anleitung darf nicht verkauft, in andere Sprachen übersetzt oder sonst wie vervielfältigt werden – die fertigen Puppen dürfen verschenkt, aber nicht verkauft werden – wenn du ein Foto von Opa posten möchtest, dann verlinke mich doch bitte mit #marblerie oder @marblerie und sei so gut und verweise auf meinen Blog http://www.marblerie.com

Was du können solltest:

Fadenring
Luftmasche – lfm
Feste Masche – fm
Zunahme der festen Masche – zun
Abnahme der festen Masche – abn
Halbe Stäbchen – hstb
Stäbchen – stb
Noppe (vier zusammen abgemaschte Stäbchen) – N
Kettmasche – ktm

Was du brauchst:

Füllwatte
Schere
Maschenmarkierer
Wollnadel
Sicherheitsaugen (die Größe wählst du)
Häkelnadel (sie sollte zu deinem Garn passen)
Garn in verschiedenen Farben:
Hautfarbe für Kopf und Hände, grau für Schnurrbart, Haare und Augenbrauen, schwarz für die Schuhe, plus weitere Farben für Weste, Schal, Pulli und Hose – wenn du die Farbe wechseln sollst, lasse ich es dich natürlich wissen. Sei gewappnet!

 

Wir beginnen mit dem Kopf in Hautfarbe:

1) 6 fm in einen Fadenring häkeln                      (6)
2) (zun) x 6                                                               (12)
3) (fm, zun) x 6                                                        (18)
4) (2 fm, zun) x 6                                                     (24)
5) (3 fm, zun) x 6                                                     (30)
6) (4 fm, zun) x 6                                                     (36)
7) (5 fm, zun) x 6                                                     (42)
8) (6 fm, zun) x 6                                                     (48)
9-13) fm                                                                     (48)

Farbwechsel zur Pullifarbe – du hast nun einige Runden Zeit und kannst dich frei austoben – wenn du einen gestreiften Pulli schick findest, wechsel einfach die Farben so wie du magst.

14-29) fm                                                                   (48)

Bevor es weiter geht, solltest du die Sicherheitsaugen einsetzen; meine habe ich nach der letzten Verdopplungsrunde platziert und dabei 8 Maschen Platz gelassen.
Farbwechsel zur Hosenfarbe.

30-31) fm                                                                   (48)

Achtung, bevor du weiter machst, musst du die Beine abtrennen – dazu trennst du die äußersten 12 Maschen ab. Achte dabei darauf, dass Opas Augen schön mittig liegen und nicht verdreht sind. Falls du mit diesem Schritt Schwierigkeiten hast, orientiere dich am Besten an den Fotos. 


Du häkelst nun weiter bis du eine Markierung erreicht hast:

Beine 2x arbeiten, in Hosenfarbe:

1-6) fm                                                                       (12)

Farbwechsel zu schwarz

7-8) fm                                                                       (12)
9) (abn) x 6                                                                (6)

Schneide den Faden ab, ziehe ihn durch die Schlaufe und vernähe das Löchlein, indem du durch die sechs vorderen Maschenglieder gehst. Verstecke den Faden im Inneren.
Befülle das Bein mit Füllwatte und nimm das Garn auf der anderen Seite wieder auf – achte dabei darauf, ein langes Stück Faden stehen zu lassen mit dem du Opa hinterher unten schließen kannst. Wiederhole nun das Ganze auf der anderen Seite. Fülle Opa nun gut mit Füllwatte, drücke ihn dabei etwas platt, sonst wird er zu kugelig. Vernähe nun die Öffnung gut und verstecke den Faden im Inneren.
Du machst nun mit der Nase weiter, so wird Opa immer realistischer. Häkel dazu mit Hautfarbe:

1) 5 fm in einen Fadenring                                              (5)
2-3) fm                                                                                  (5)

Du kannst den Faden nun abschneiden und die Nase zwischen den Augen annähen. Die Nase wird nicht gefüllt, so bleibt sie elastisch und biegsam. Wenn dein Opa eine längere Nase haben soll, dann häkel einfach noch eine oder zwei Runden – ganz wie du magst!

Du häkelst jetzt Arme 2 x arbeiten – beginne mit Hautfarbe:

1) 6 fm in einen Fadenring häkeln                                  (6)
2) (fm, zun) x 3                                                                     (9)
3-4) fm                                                                                   (9)
5) 3 fm, N, 5 fm                                                                    (9)
6-7) fm                                                                                   (9)

Farbwechsel zu Pulli-Farbe; auch hier kannst du dich wieder austoben was die Farbwahl und die Farbwechsel betrifft!

8-22) fm                                                                                 (9)

Schneide den Faden ab und ziehe ihn durch die Schlaufe; befülle die Arme nun, aber achte darauf, dass die Hand fest gefüllt wird. Den Arm aber nur leicht ausstopfen.
Wiederhole die Runden 1-22 und nähe die Arme nun an der obersten Pullirunde an.

 

Für den Schnurrbart (in grau, bzw. Haarfarbe) häkelst du 3 Luftmaschen, 1 hstb in die zweite Luftmasche, 1 Kettmasche, 3 Luftmaschen, 1 hstb in die zweite Luftmasche und 2 ktm in die letzte Luftmasche.
Schneide den Faden ab, ziehe ihn durch die Schlinge und nähe den Schnurrbart unterhalb der Nase an.

 

Und wenn du schon beim Frisieren bist, wird es langsam aber sicher Zeit für Opas Haare – hier kann ich dir allerdings nur einen Vorschlag machen, die Frisur entscheidest letztendlich du!

Ich habe mir zunächst genauestens Opas Kopf angesehen und mir überlegt wo er Haare haben soll und wie die aussehen sollen – das empfehle ich dir auch! Meine Haare beginnen auf einer Länge mit den Armen und bilden so einen „Halbkreis“ der mit jeder Reihe etwas schmaler wird. IMG_3166
Dazu nimmst du einfach das Garn an dieser Stelle auf und häkelst eine feste Masche zwischen die Maschen. Häkel 3, 4 oder 5 Luftmaschen (gerne auch mehr, je nachdem wie lang deine Haare werden sollen) und häkel eine weitere feste Maschen in den nächsten Zwischenraum. Du verfährst weiter so bis du am Ende deiner Reihe angekommen bist. Drehe deinen Opa nun, sodass er Kopfüber steht und häkel eine weitere Reihe von Arm zu Arm. Nun kannst du das Garn abschneiden und die Fadenenden vernähen.
Du hast jetzt einen „Kranz“ und kannst entscheiden ob du noch weitere, schmalere Reihen häkelst – das habe ich gemacht, so sieht die Frisur echter aus.
Ich weiß, dass dieser Teil eventuell schwer zu verstehen sein kann, vor allem wenn man zum ersten Mal Haare mit dieser Methode macht; orientiere dich am Besten an den Bildern. Wenn du die Frisur deines Opa zu unperfekt findest, denk daran, dass Haare ein Naturprodukt sind!
IMG_3063

Damit Opa nicht friert, solltest du ihm eine Weste häkeln:

Auch dafür gibt es keine exakte Schritt-für-Schritt Anleitung; aber hey: wenn du magst, kannst du ein anderes Garn benutzen, für eine besondere Flauschoptik!

1.Häkel zunächst eine Luftmaschenkette die so lang ist, dass sie über Opas Rücken passt und an beiden Armen je ca 2 cm übersteht. Häkel dann zwei weitere Luftmaschen.
2. Beginne in der dritten Luftmasche ab der Nadel und häkel die ganze Reihe lang halbe Stäbchen.
3. Für jede weitere Reihe die deine Weste hoch sein soll, häkelst du weiterhin halbe Stäbchen. Vergiss nicht am Anfang der Runde das erste halbe Stäbchen mit zwei Luftmaschen zu ersetzen.
4. Die letzte Reihe ist ein wenig anders: Du häkelst wie gewohnt halbe Stäbchen, aber nur 3 Stück. Häkel nun 3 Luftmaschen und überspringe drei Maschen; beginne ab der 4. Masche wieder mit halben Stäbchen bis du nur noch 6 Maschen über hast. Hier wiederholst du das Ganze rückwärts: Häkel 3 Luftmaschen und überspringe drei Maschen, häkel ab der vierten Masche normal mit halben Stäbchen weiter – das entstandene Loch ist für die Arme.
5. Schneide das Garn nicht ab! Häkel stattdessen eine Luftmasche und an der schmalen Seite der Weste mit festen Maschen weiter. Du häkelst um jedes halbe Stäbchen zwei feste Maschen. Am Ende der Reihe angekommen, machst du eine Luftmasche und häkelst eine weitere Reihe feste Maschen. Nun kannst du den Faden abschneiden – lasse ein Stück stehen um die Weste hinterher mit einigen Stichen am Körper zu fixieren.
6. Wiederhole Schritt 5) auf der anderen Seite, so entsteht eine Art Bündchen.
7. Ziehe Opa seine Weste an und fixiere das Bündchen mit einigen Stichen am Körper.

 

Wenn du magst, kannst du jetzt noch einen Schal häkeln:

1) Mache eine Luftmaschenkette die so lang ist, wie dein Schal werden soll – und häkel drei weitere Luftmaschen.
2) Häkel fortlaufend Stäbchen in die Luftmaschen, beginne mit einem ersten Stäbchen in die vierte Masche von der Nadel aus gesehen.

 

Im Grunde bist du nun fertig – jedes Teil ist angenäht, Opa ist schick angezogen – es fehlen nur noch die Details:

1) Sticke Opa mit Haarfarbe Augenbrauen auf – je nachdem wie buschig du sie haben willst, kannst du mehrmals sticken oder nur einmal.
2) Wenn dir simple schwarze Schuhe zu langweilig sind, dann kannst du mit weißem Garn Schnürsenkel aufsticken.
3) Wenn du Lust hast, dann kannst du Opa einen Knopf für seine Weste aufnähen oder ein Lächeln aufsticken, ihm eine Blume in die Hand drücken.. tob dich aus! Ich bin mir sicher, dass du noch die ein oder andere Idee hast, wie du Opa individualisieren kannst; trau dich und versuch es!

IMG_3205

Feeeertig!
Opa ist gehäkelt und liegt vor dir – schau ihn dir an und sei mal ganz ehrlich zu dir selbst: Ist er nicht putzig? Einfach zum liebhaben?
Jaja, schon klar, da hast du was nicht sauber vernäht und die Haare sind nicht symmetrisch, der Schal zu kurz, ein Bein zu lang – ich verstehe dich. Ich neige selbst vor allem beim Häkeln zum (übertriebenen) Perfektionismus. Aber ganz ehrlich: Du hast da etwas ganz, ganz wundervolles aus Faden und Haken geschaffen und darauf kannst du mächtig stolz sein. Egal wie krumm oder schief etwas ist – ich sag es in jeder Anleitung und ich werde es auch immer sagen: ein Opa ist ein Naturprodukt und jeder, jeder, jeder vermeintliche Fehler macht ihn perfekter und individueller.
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast und Opa gehäkelt hast ❤

 

Bevor du jetzt dieses Tab schließt, schau dir doch bitte diese wundervollen Opas von meinen lieben Testhäklerinnen an; ohne diese (ziemlichen coolen) Mädels (und meinen Mann) gäbe es diese Häkelanleitung nicht. Diese – wirklichen talentierten – Häkelmädels haben sich Zeit genommen um mich und meine Anleitung zu unterstützen und sie haben mir viel von sich und ihren Opas erzählt – vielen Dank dafür an die Mädel: Küsschen an euch :

 

Die wunderbare Kristina hat diesen kulleräugigen und zuckersüßen Opa gehäkelt ❤
IMG_3725 (1)
Sieht dieser Opa nicht super eingemummelt aus? Er stammt von Andrea!
Ellas Opa war Gärtnermeister – sie hat ihn wirklich wundervoll umgesetzt ❤
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Philip sagt, dass ein guter Opa auch immer tierlieb ist. Würd ich so unterschreiben!
Kein Bart, aber braun gebrannt. Bei dem Opa vom HaekelAlfred ist noch Sommer!
Mit viel Liebe zum Detail hat Wiebke ihren Opa erschaffen – mal ehrlich, der sieht doch aus als würd er gleich was am Kamin vorlesen, oder nicht?!
Ich bin wirklich ganz schrecklich verliebt in Katharinas Opa – genauso wie in alle ihrer Häkelwerke!
Iris Opa ist ein wahres Kraftpaket – danke für dieses tolle Bild ❤

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7 Kommentare zu „Opa – (d)eine ganz persönliche Häkelanleitung

  1. So ein niedlicher Opa 😍 ich hab ihn gesehen und dachte gleich an meinen und das ein Häkelopa doch eine schöne Erinnerung wäre. Und dann lese ich deinen Blog Post , und mir kommen schon die Tränen 😢🌟… ich muss auch einen haben 👴🏼💔🖤

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  2. So ein niedlicher Opa 😍 ich hab ihn gesehen und dachte gleich an meinen und das ein Häkelopa doch eine schöne Erinnerung wäre. Und dann lese ich deinen Blog Post , und mir kommen schon die Tränen 😢🌟… ich muss auch einen haben 👴🏼💔🖤

    Anna
    @annagenaeht

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  3. So , liebe Martyna .
    Nun bin ich auch in den letzten Zügen/Maschen mit meinem Opa . Ich habe ihn ein wenig verändert ….der Pulli ist etwas länger und der Kopf hat auch mehr Runden erhalten . Ich habe nämlich vor meinem Papa zu Weihnachten Einen Opa zu schenken …der ist nämlich auch schon Opa uns sogar ein sehr liebevoller für meine Kids . Und da er seeehr gross ist , muss „mein Exemplar“ entsprechend auch größer sein . Deine Geschichte fand ich ganz prima und es war sehr ergreifend für mich . Toll gemacht und du hast damit zum Nachdenken angeregt . Dafür vielen lieben Dank
    Anke (#Junikind_happy)

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