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Über Herzchen auf Instagram und warum sie schnurzpiepegal sind

Es ist sicher kein allzu großes Geheimnis und wird wahrscheinlich nicht ganz so viele Menschen überraschen, wenn ich jetzt sage, dass ich Instagram liebe. Ich liebe Instagram. So. Jetzt isses raus! Es macht mir Spaß Fotos mit der Welt zu teilen, ein Stück von mir und meinem Handwerk zu zeigen und Menschen zu begleiten, die ich – kurz gesagt – spannend finde. Wären da nur nicht die verdammten Herzchen. Denn: es ist toll, die App zu starten und da steht, dass mein kleiner, spontaner Schanppschuss schon 50 Menschen gefällt – dabei bleibt es nur nicht. Ich schaue auf die Zeit: soso, mein Bild ist schon fast 2 Stunden online und gerade mal 54 Herzchen. Blödes Bild, ich lösche es. Es gefällt niemandem. Dabei fand ich es doch gut!

Na, ertappt? Nicht? Noch nie auch nur ein bisschen Selbstzweifel verspürt, weil du zu wenige Herzchen nach zu viel Zeit hattest?
Es ist nicht schön zuzugeben, dass man doch ein bisschen mehr abhändig von einer Zahl ist, als einem lieb ist. Aber Pustekuchen, ich mach das jetzt mal: Ich gebe zu, dass ich an der Zahl der Herzen ein wenig meinen Wert und mein Können messe. 
Das ist blöd und ganz und gar nicht cool. Ich vermiese mir an meinem Hobby selbst den Spaß indem ich mich darauf reduziere, wie viele Menschen auf ein virtuelles Herz klicken. Wenn mir aber jemand sagt oder schreibt, wie enttäuscht er darüber ist, dass sein letztes Bild „nicht so gut wie erhofft angekommen ist“ dann bin ich diejenige, die sehr laut ruft DARAUF KOMMT ES DOCH NICHT AN! DEIN BILD IST DER BURNER! ❤
So toll Instagram und co also auch sind – sie nagen am Selbstwertgefühl und verleiten dazu uns zu messen und unseren Wert zu betiteln und uns mit anderen zu vergleichen.
Dabei ist das wirklich absoluter Quatsch, wir machen uns selbst alles madig – ständig, nicht nur bei Instagram.

Sein ganzes Leben lang vergleicht man sich mit anderen: Anna hat einen viel kürzeren Weg zu Arbeit, mein Mann kann morgens länger schlafen, Tobias verdient mehr, Bloggerin x hat viel mehr Follower, die Wohnung meiner Schwester ist viel schöner eingerichtet, Sabine hat viel schöneres Haar, Jan konnte viel mehr reisen, Alex hat eine viel melodischere Stimme .. wenn man sich fragt ob man sich schon mal mit anderen verglichen hat, lautet die Antwort immer ja. Zumindest wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Wir zweifeln ständig an uns und bei den anderen scheint es immer besser zu laufen als bei einem selbst.
In sozialen Medien ist es leider etwas tricky. Im wahren Leben können wir uns sagen, dass hinter einem tollen Job auch ein echter Mensch steckt mit wahren Problemen. Bei Instagram sehen wir nur das, was wir vorgesetzt bekommen. Das Bild einer Person setzt sich aus dem zusammen, was die Person konstruiert. „Konstruieren“ meine ich gar nicht böse – man sieht einfach nur einen Schnappschuss, aber nicht die Arbeit davor und auch nicht den Menschen dahinter. Das Ergebnis: bei allen anderen wirkt es irgendwie müheloser und leichter. Und obwohl die sich so wenig anstrengen, kriegen sie die ganzen Likes. Unfaire Welt. Dazu kommt: das ganze Internet ist voll mit Artikeln, Tools und Tipps wie man mehr Herzen bekommt. Macht es – zugegeben – nicht gerade leichter Abstand zu gewinnen.

Stopp! Lasst uns doch alle mal ein bisschen wegkommen von den ganzen Herzchen und Schmerzen, denn wir sind die einzigen die es interessiert. Kein Mensch schaut sich deinen Account und deine Bilder an und denkt sich „Hehe, nur 3 Herzen, Opfer.“ Dieses blöde und destruktive Denken flößen wir uns selbst ein! Woher ich das weiß? Ich hab mich selbst gefragt – während ich darauf gewartet habe, dass die Herzen in die Höhe schießen, habe ich mich gefragt ob ich die einzige bin, die das so macht. Und ich habe gemerkt, dass ich mir immer nur die Bilder von anderen anschaue und die Texte dazu lese, aber noch nie auf die Anzahl der Herzen geachtet habe. Denn die ist absolut subjektiv und relativ – sie setzt sich aus Erwartungshaltungen an sich selbst und „Durchschnittswerten“ und Vergleichen zusammen. Kurzum: sie ist Bullshit.

Es wird Zeit, umzudenken und zu sehen, wie viel so ein Herzchen wert ist (spoiler: nichts) und zu erkennen, wie groß die Anzahl tatsächlich und nicht subjektiv ist. Schau dir also dein letztes Bild an und finde dich:

1 ❤  Ein Mensch irgendwo auf der Welt, vielleicht neben dir auf der Couch oder hunderte Kilometer entfernt mag dein Bild. Egal ob nah oder fern: ein Mensch mag dein Bild. Das zählt.

5 ❤  Eine ganze Clique unterstützt dich. Oder eine Familie. Das ist eine Menge. Das sind fünf Komplimente.

10 ❤ Je nachdem wo du zur Schule gegangen bist, ist das eine halbe Schulklasse oder ein Drittel.

30 ❤ Eine ganze Schulklasse applaudiert bei deinem Referat.

50 ❤ Das ist mehr als die vier kleinsten Dörfer Deutschlands Einwohner haben.

100 ❤ Eine ganze Oberstufe!

200 ❤ Stellenweise eine ganze Grundschule.

500 ❤ Brauche ich wirklich eine Veranschaulichung? 500 Menschen! 500! Oder auch: ganz Baltrum und drei Weitere.

1000 ❤  Ganz Wangerooge, die vier kleinsten Dörfer Deutschlands und eine halbe Schulklasse.

0 ❤ Völlig egal. Wirklich! Du magst dein Foto oder deinen Beitrag und hattest Spaß beim Fotografieren, Posten, Bearbeiten, Schreiben? Das zählt. Alles andere ist unwichtig!

 

 

Ich hoffe ich habe vielleicht die ein oder andere Laune verbessert oder sogar etwas Selbstzweifel ausgelöscht – spread the love und frohe Weihnachten ❤

6 Kommentare zu „Über Herzchen auf Instagram und warum sie schnurzpiepegal sind

  1. Ich hatte noch nie 0 Herzen … denn meine Mama ist auch bei Instagram. Echt jetzt!
    Aber im Ernst. Toll hast Du genau das gesagt, was ja mal sowas von Sache ist. Zumal ich zum Beispiel, nicht nur zu den Leuten gehöre, die sofort anfängt zu schnurren, sobald jemand auch nur ansatzweise guckt wie „toll gemacht“. Ich gehöre obendrein zu den Leuten, die ihre Aboliste durchgehen und bei jedem Bild, das einem (aus welchem Grund auch immer) nicht gefällt ein schlechtes Gewissen haben, wenn man kein Herz gibt. Es sind schließlich liebe Menschen (rein spekulativ), die ihr Bild selber toll finden und über jedes Herz weniger vielleicht traurig sind. Ich will nicht traurig sein und noch viiiieeel weniger jemanden traurig machen. Wie objektiv ist das Herzl dann noch als Qualitätsmerkmal meiner Bilder? Eigentlich eh Wurscht, oder? Locker bleiben wär ein guter Vorsatz (is ja jetzt die Zeit), klappt aber eh nicht! Für Dich meine Liebe an dieser Stelle ein ❤ von mir! :*

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  2. Tausend Herzen für deinen Beitrag! Jetzt erst gelesen, aber ich hab mich total wiedererkannt. Danke dafür.
    Momentan lasse ich mich von Instagram viel zu sehr stressen. Diese Zahlen und Statistiken lassen mich manchmal wahnsinnig an mir selbst zweifeln.
    Ich bin froh, dass ich nicht die einzige damit bin. Und deine kleine Aufzählung da unten hat total gut getan. Danke!

    Gefällt 1 Person

    1. Sehr gerne, es freut mich, dass ich dich mit meinem Beitrag erreichen konnte. Und lass dich bloß nicht stressen, erinnere dich immer wieder daran, dass das ein Hobby ist und Spaß machen soll!
      Liebe Grüße

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