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Hausschuhe aus Filzwolle, Versuch No1 oder auch: die Leiden des jungen Häklers

Ich bin durch unzählige Geschäfte in der Innenstadt gelaufen, war in Einkaufszentren und hab im Freundeskreis gefragt – auf der Suche nach Tennisbällen. Die braucht man nämlich um Hausschuhe zu filzen. Meine Odysee war unendlich lang: Tennisbälle gab es scheinbar nur im 7er Pack für gefühlt ein halbes Monatsgehalt. Pff. Dann halt nicht. Dann gibt es keine Häkelschuhe für mich.
Meine Freunde haben auch keine Tennisbälle – dabei sind das Menschen mit Hunden, Menschen, die Sport machen und Menschen, die einfach sonst alles mögliche in ihren Schränken haben. Nur keine Tennisbälle.
Schlussendlich bin ich in einer bekannten Billigmarkt Kette fündig geworden: Tennisbälle für 1,50 pro Stück – allerdings für Hunde. Egal, nehm ich mit. Aber von vorne:

Schon seit Monaten liegt Filzwolle in meinem Schrank – sie ist sogar mit mir umgezogen. Ich habe auch schon einen Häkelschuh gemacht, der ist allerdings so riesig geworden, dass nicht mal Waschen bei 60 Grad geholfen hat. Dann war ich frustriert und beleidigt und hab die Wolle immer wieder verflucht. Dabei kann sie da echt nichts für. Es sind die verdammten Tennisbälle und meine unglaubliche Unfähigkeit welche aufzutreiben.
(An dieser Stelle ein großes „Sorry“ an alle Menschen, die mich in den letzten Monaten besucht haben und die ich immer wieder gefragt habe ob sie zufällig Tennisbälle auftreiben können..)
Ein neuer Versuch: erstmal ordentlich schlau machen, Blogbeiträge lesen und ausmessen. Wusstet ihr, dass Filzwolle um 30-40% schrumpft, wenn sie gewaschen wird? Das heißt, man muss die verschiedenen Fußabschnitte ordentlich ausmessen (also Länge bis zum Beinanfang, Breite, etc.) und diese dann mit 1,3 oder 1,4 multiplizieren. Macht Sinn, oder?
Benutzt habe ich übrigens die Schachenmayr Wash+Filz it Multicolor und eine Häkelnadel der Stärke 7 mm – das Garn fühlt sich toll an und lässt sich prima verarbeiten. Für ein Paar Hausschuhe in Größe 39/40 habe ich 4 Knäuel gebraucht.

Also habe ich es einfach mal probiert und frei Schnauze Filzschuhe gehäkelt, immer wieder nachgemessen und ich bin echt zufrieden mit dem Ergebnis – zumindest so lange es ungefilzt ist:

 

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Ja, sie sehen etwas ungleich groß aus. Sind sie aber nicht.

Es folgten zwei Stunden in der Waschmaschine: Wer Filzschuhe will, der braucht Geduld. Sie müssen nämlich bei einem vollen Waschgang gewaschen werden – also nicht verkürzt. Ohne Weichspüler. Mit Tennisbällen. Die Tennisbälle in der Waschmaschine waren übrigens gar nicht so laut wie ich gedacht hatte – beim Schleudergang bin ich einfach auf die Terrasse gegagngen und Nachbarn haben sich auch nicht beschwert.
Mir war auch durchaus bewusst, dass die Schuhe kleiner werden, nach dem Waschen. Aber so klein? Mein Fehler war es, dass ich mir quasi Stieffeletten häkeln wollte und das Bündchen habe ich einfach viel, viel, viel zu eng gehäkelt.

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Der Farbverlauf gefällt mir gefilzt noch viel besser – aber man beachte den „Eingang“ 😀

Nach 2 Stunden und 10 Minuten Aufregung hole ich meine Schuhe raus, die letzte Minuten verbringe ich wie Rain Man vor der Waschmaschine und reiße die Tür auf, als es endlich so weit ist. „Scheiße, die sind etwas eng“ denke ich mir. Und klein. Man sieht es vielleicht auf dem Bild nicht ganz so gut, aber meiner besten Freundin wollte ich eigentlich direkt schreiben, dass ich schon ein Weihnachtsgeschenk für ihre Tochhter habe.
Jetzt beginnt das Krafttraining: mein Fuß muss ins den Schuh. Gar nicht so leicht – eher unmöglich, wie sich herausstellt. Ich sitze schwitzend auf dem Sofa – ja, wirklich!
Leider war das Bündchen oben so eng und auch dehnen hat nicht den Effekt gebracht, der nötig gewesen wäre. Mein erster Impuls: einen Deal mit dem Teufel eingehen, ihm meine Seele verkaufen damit diese Schuhe passen. Zweiter Gedanke: die Schere!
Es tut meine Handarbeitsherz wirklich weh, aber ich schnappe mir die Schere und schneide das Bündchen ab. Das geht zum Glück gut und auch das Anziehen der Schuhe klappt endlich. Natürlich sind sie zu eng, aber das soll so. Die dehnen sich ja noch beim Laufen. Nach meinem 24 Stunden Test (aka: ich bleibe zuhause und laufe mit halbnassen Filzschuhen durch die Bude) haben die Schuhe die perfekte Größe: nix drückt, nix kratzt und sie sind wundervoll warm. Ich liebe besonders, dass der Farbverlauf nicht identisch ist bei den beiden Schuhen – das ist natürlich selbst verschuldet, aber das soll so, das find ich gut, das wollte ich so. Mein Fazit: Versuch macht klug und für das allererste Mal bin ich voll zufrieden ❤

 

Es folgt jetzt noch ein zweiter Versuch, diesmal werde ich die Anleitung mitschreiben und veröffentlichen – dann kann der Herbst richtig kommen und die kalten Tage können mir gar nichts mehr!
Was sind eure Erfahrungen mit Filzschuhen? Habt ihr das schon mal probiert, ging es sehr schief oder hat alles beim ersten Mal geklappt? Erzählt es mir in den Kommentaren! ❤

 

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Ein Kommentar zu „Hausschuhe aus Filzwolle, Versuch No1 oder auch: die Leiden des jungen Häklers

  1. Hallo Martyna. Ich habe schon Filzschuhe gestrickt und gewaschen. Aber bei allem Rechnen bleibt immer ein Restrisiko…. Passen sie wirklich? Einige musste ich entsorgen, zusammen mit den Atlkleidern, in der Hoffnung, irgendwem könnten sie passen.
    Für diesen Winter, wenn er denn mal kommt, habe ich mir vorgenommen, welche zu häkeln. Deine Hausschuhe gefallen mir gut, besonders das Muster. Eine Anleitung wäre sehr schön.
    Und noch etwas- den abgeschnittenen Rand kannst du mit etwas heißem Wasser und kneten mit den Fingern so bearbeiten, dass er nicht mehr abgeschnitten aussieht.
    Viele Grüße Andrea Stertz

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