Allgemein · Stricken

Mein allererstes gestricktes Dreieckstuch

Der ein oder andere mag sich erinnern: Stricken ist doof. Stricken ist nur was für Menschen mit zu viel Zeit. Stricken ist langweilig. Stricken verkörpert alles, was ich in meinem Leben nicht will – okay, das habe ich zwar so nie gesagt, aber seien wir mal ehrlich: es passt doch super in diese Auflistung von absurden Dingen und ist eine tolle Übertreibung.
Lange Zeit (eigentlich immer) habe ich gesagt, dass ich nicht stricken kann, es nicht mag und dass das die einzige Konstante in meinem Leben bleiben wird, was irgendwie wirklich absurd ist, denn ich habe mit Stricken das Handarbeiten angefangen. Im Krankenhaus hatte mir eine Pflegerin vor 8 Jahren mal die Grundtechniken beigebracht und fortan habe ich für alle Menschen um mich herum Schals gestrickt: Freunde, Bekannte, Ex-Partner, Oma, Mutter – der einzige Mensch, der mir je einen Schal zurück gestrickt hat, war meine Mama. Die Wolle war allerdings schneller alle als der Schal fertig war, aber immerhin hatte er Fransen – zumindest auf einer Seite. Und von Herzen kam er auch. Ich will mich also wirklich nicht beklagen!
Aber wisst ihr, wer nie einen Schal von mir bekommen hat? Ich selbst. Niemals habe ich einen für mich gestrickt, das erschien mir nicht wertvoll genug. Traurig, eigentlich.
Dann kam ein Mann in mein Leben, der zufälligerweiße gestrickt hat und hat mich fortan bestrickt, aber wie das mit Männern so ist: sie kommen und sie gehen. Zwar lassen sie einem das Strickwerk, aber so wirklich tragen will man das dann auch nicht. Denn, mal ehrlich: wer möchte auf „Schöner Schal, hast du den gemacht?“ mit „Nein, das war mein Ex.“ antworten? Niemand. So und da haben wir das „Problem“ – ich mag Stricksachen, aber ich hasse stricken – Plottwist: ich habe gelernt es zu lieben und es ist eine wahre Liebe aus meinem tiefsten Herzen. In mein Herz passt also doch mehr als Häkeln, Tierbabys und die geile Milka Schokolade mit Smarties drin.
Es ist zugegeben eine erzwungene Liebe: ein bisschen wie eine Zwangsheirat, nur weniger drastisch und in etwa wie ein Kompromiss aus der Not heraus: „Ja gut, dann nehme ich eben dieses quietschgelbe Cord-Sofa..!“und plötzlich stellt sich raus, dass dieses Sofa eigentlich doch Stil hat (was ich bei meiner Beschreibung eigentlich echt bezweifle..), aber so oder so: es ist voll bequem und die Kissen echt knautschig und kuschelig!
So ist das mit mir und dem Stricken: ich wollte es nicht, ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt, aber dann doch festgestellt, dass es ganz gut ist. Und Spaß macht. Und es auch nicht soooo lange dauert wie gedacht.
So entstand mein erstes Dreieckstuch: Ich habe einen ganz traumhaften Bobbel aus Wolle und Seide (SEIDE!!!!) von der Garnmanufaktur ergaunert (als PR-Sample), die Farben sind wun.der.schön. und ich habe wochenlang hin und her überlegt wie ich diesen Schatz am Besten zur Geltung kommen lasse: Gehäkelt? Nee, verbraucht viel zu viel Wolle und die Lauflänge betrugt nur ca 500 m. Tunesisch häkeln? So ein großes Projekt traue ich mir nicht zu. Stricken? Oh Gott, stricken?! Es würde passen, ich kann alles was ich dafür brauche: recht Maschen und Verdopplungen. Aber stricken? Ich? Davon fallen mir die Hände ab und meine filigrane Nackenmuskulatur wird blitzschnell durch harte Stahlstäben ersetzt!

smartcapture
Hier sieht man ganz deutlich jeden Farbwechsel ❤

Aber nachdem ich innerlich wirklich mit mir selbst gekämpft habe, habe ich mich doch entschlossen dieses Bobbel zu verstricken – zuerst etwas gegen meinen Willen, aber dann kam der Spaß. Farbwechsel sind eine tolle Motivation, gerade bei Bobbeln: Okay, nur noch ein Knöttchen. *Nach dem Knöttchen* Okay, noch zwei Reihen, damit man das Ganze etwas beurteilen kann. Und so habe ich mich mit der einfachsten Anleitung der Welt hingesetzt und mein erstes Dreieckstuch gestrickt – es ist an der Tragekante 1,80 m lang und ist wirklich kuschelig warm. Gebraucht habe ich auch gar nicht so lange: ich habe meistens so zwei Stunden am Stück gestrickt und war nach 2-3 Wochen fertig. Ich habe 6er Stricknadeln benutzt, man kann aber durchaus bei diesem Bobbel größere nehmen, ich stricke nur scheinbar sehr, sehr locker.
Wenn du dich in diesen Farbverlauf genauso verliebt hast wie ich, dann klick mal hier. Da kriegst du so einen.
Übrigens war die größere Herausforderung als das Stricken das Fotografieren des fertigen Tuchs: zuerst wollte ich es ganz cool in Herzform auf dem Boden drappieren, wie ich das oft in den sozialen Medien sehe – aber das erwies sich als schwierig.cof Die Tuchbilder sehen im Netz immer so wunderschön aus, dabei ist das nicht so leicht: schließlich wollte ich mein Tuch im Ganzen zeigen, aber nicht ganz so plump und ich wollte, dass man den Farbverlauf sieht, aber das Bild sollte nicht krumm und schief sein. Was macht man da? Genau: Man wirft das Tuch über einen Baumstamm oder so eine creepy Indianerfigur, die die Nachbarn im Park aufgestellt haben und siehe da: sieht scheiße aus. Die erste Reaktion, die ich auf dieses Bild bekommen habe, war von meiner besten Freundin: „Martyna, was hast du denn da gemacht? Es sieht so aus als hättest du ein Handtuch abgeworfen..“. Was sie sagen wollte: das kann ich besser:

oznor

Netterweise hat sich meine liebe Freundin Jasmine dazu bereit erklärt, für mich zu posieren – auch eine ganz neue Erfahrung für mich, so einen echten und lebendigen Menschen vor der Kamera zu haben; aber ich find das haben wir beide mehr als gut gemacht ❤

rpt

Wie dem auch sei und worauf ich eigentlich hinaus will: Du hast Bock mal etwas neues auszuprobieren? Etwas, was du dir bisher nicht zugetraut hast? Etwas, das du sowieso nicht kannst, was dir nicht liegt? Etwas, das eh doof ist und nicht gut werden kann? Tu es. Vielleicht wird es eine ganz neue Liebe, vielleicht entdeckst du eine neue Leidenschaft, vielleicht kannst du dir hinterher auf die Schulter klopfen. Okay – vielleicht ist es aber auch so doof wie gedacht, dann kanst du das aber hinterher immerhin mit Sicherheit sagen und hast nicht mehr dieses kleine, nervige Stimmchen in deinem Kopf, das dir sagt: „Aber, was wenn doch?“ – Also: go for it! ❤

Oder hast du so etwas schon probiert und Erfahrungen gesammelt? Dann erzähl mir in den Kommentaren davon. Ich will jedes Detail wissen – bis bald und viel Spaß beim Werkeln! ❤

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4 Kommentare zu „Mein allererstes gestricktes Dreieckstuch

  1. Einen wunderschönen Schal hast du da gestrickt.
    Dein Foto mit deinem Model ist doch super geworden.
    Für das drappieren in Hertford, versuche es mal mit dünnem Basteldraht. Locker durchweben in Form bringenund es kann trotzdem noch ein paar falten schlagen damit es so aussieht als wäre es locker, flockig dahingelegt 😉

    Mit dem Stricken kenne ich sehr gut. Ich sage auch immer ich kann es nicht. Pustekuchen. Ich kann es aber ich sträuben mich immer wieder davor und lande an der Häkelnadel 😀 – dann sehe ich wieder solch schöne Werke wie deine und denke mir: vielleicht trau ich mich doch mal ran, vielleicht, beim nächsten Projekt.. 🙂

    Viel Spaß noch beim Werkeln und auf weitere tolle Werke.
    Lg Jessie

    Gefällt 1 Person

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