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Planned Pooling: wie ich eine neue Technik lernte und mich in einen Schal verliebte

[PR-Sample: Das hier vorgestellte Garn wurde mir kostenfrei zur Verfügung gestellt; nichtsdestotrotz folgt nun ein ehrlicher Erfahrungsbericht und meine wahre Meinung]

Ich sitze auf dem Sofa und häkel, nebenbei läuft eine Serie – so weit, so normal. Ich schalte die Serie ab: so ein Drecksmistpupukaka, ich brauche Stille sonst sehe ich nichts. Ich sitze an meinem Planned Pooling Versuch und es läuft – nett gesagt – bescheiden. Ich hab den Dreh nicht raus. Ich breche ab, ribbel mein Werk (gerade mal 7 oder 8 Reihen) auf und knalle die Wolle lieblos in mein Regal. Von nun an schießen Blitze aus meinen Augen wenn ich das Garn sehe…
Zwei Wochen soll es dauern ehe ich mich an einen neuen Versuch wage und mir ein Licht aufgeht und ich ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich so fies war zu der lieben Wolle.
Dabei fing doch alles so unschuldig an:
Ich surfe ein wenig durch Instagram und entdecke dort einen wunderschönen, karrierten Schal.  Ich zeige ihn einer Freundin und sie sagt: „Cool. Aber du bist kein Reiter-Mädchen, das passt nicht zu dir.“ – Oh, und ob das passt. Stilbrüche sind voll mein Ding und wenn jemand einen karrierten, hochwertigen Schal mit Jeansjacke und Turnschuhen tragen kann, dann bin ich das. Ich schaue mirGarn den Schal weiterhin an. Faszinierend. Netterweise erklärt sich die Designerin des Garn, Veronika Hug (ich habe sie schon auf der H+H in Köln bewundert..), bereit mir drei Knäuel in Wunschfarbe zuzuschicken. Nur wenige Tage nach unserem Gespräch halte ich ein Paket in der Hand und darin die wirklich schicke Wolle. PLAN lautet ihr Name und es gibt sie in sechs verschiedenen Farbvarianten (guck mal hier) und ich habe mich für die Kombi aus weiß, grau, braun und senf entschieden.

Über das Garn und die Methode:

Das Garn fühlt sich sehr hochwertig und sehr weich an, es besteht aus 50 % Schurwolle,
28 % Baumwolle und 22 % Polyamid; ein Knäuel wiegt 100 Gramm und hat eine Lauflänge von 220 m und für einen langen Schal reichen laut Etikett bereits zwei Knäuel; das kann ich mit meiner Erfahrung auch so bestätigen. Die empfohlene Nadelstärke ist 5,5 mm bis 6,5 mm; ich habe eine 6er Nadel benutzt und das hat prima geklappt. Was mir persönlich nicht so gut gefällt: durch die Zusammensetzung ist das Garn zwar schön leicht und kuschelig, aber die Farben wirken verhäkelt etwas blasser als im Knäuel. Ich kann nur für meine Farbwahl sprechen, wie das bei anderen Farben ist, weiß ich nicht. Nichtsdestotrotz gefällt mir mein Ergebnis wirklich sehr gut und ich trage meinen Schal sehr, sehr gerne ❤
Aber so viel dazu; zur Sache:

Die Planned Pooling Technik ist relativ neu und hinter dem Namen verbirgt sich ein sehr simples Prinzip, das Sockenstrickerinnen sicher kennen: das Muster des fertigen Kleidungsstücks kommt aus dem Knäuel und man muss nicht viel selbst denken, es klappt einfach. Beim Socken stricken werden die Socken oft gestreift und bei Wooly Hugs PLAN bekommt man sehr simpel ein schickes Karo-Muster. cof
Theoretisch klappt das mit jedem Farbverlaufsgarn, erfodert aber sehr viel Mühe, Rechnerei und Rumprobiererei und ist daher nichts für Menschen ohne einen Geduldsfaden aus verstärktem Stahl.
Die Anwendung klappt, nach einigen Versuchen, wie von selbst. Es geht im Grunde darum (und ich berichte nun ausschließlich vom Häkeln) die Farbe immer um eine Masche zu versetzen.
Man beginnt mit einer Luftmaschenkette, welche umhäkelt wird; es wird eine zweite Reihe gehäkelt und ab hier muss man nun etwas aufpassen: die Farben sollen immer um eine Masche (mindestens 0,5 und maximal 1,5 Maschen) im Vergleich zur vorletzten gehäkelten Reihe nach links versetzt werden. Wieso die vorletzte Reihe? Nun, weil man in Hin- und Rückrunden häkelt. Ich hab auch ein Weilchen gebraucht bis ich das verstanden hatte.
Das mag nun alles sehr kompliziert klingen, aber Veronika Hug hat eine ausführliche Anleitung für die Häkel- und Strickversion in ihrem Shop und wer mehr der visuelle Typ ist und gerne ein bisschen CAL-Feeling haben möchte, findet hier ein Video, das mir sehr geholfen hat.
Ich empfehle erstmal das Video zu schauen ehe man die Anleitung kauft; ich fand die Anleitung eher kompliziert geschrieben und beim Video konnte ich direkt vergleichen. Da ist jedoch jeder unterschiedlich drauf.

Meine Versuche:

Mein erster Versuch lief – wie du dir schon denken kannst, lieber Leser – eher schlecht als Recht. Ich hatte mit der schriftlichen Anleitung gearbeitet und absolut gar nicht verstanden was ich tun soll und wie sich die Farben versetzen sollen .. mein erster Versuch sah also so aus:
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Oh, was war ich frustriert. Ich hab das Garn ins Regal geworfen und mir gedacht, dass das doch nie, nie klappen wird und der Schal ist für mich in weite Ferne gerückt.
Es brauchte zwei Wochen und drei weitere Versuche bis es beim vierten Versuch endlich geklappt hat und man nach einigen Reihen bereits das Muster erkennen konnte. IMG_20181024_155344_689

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie stolz ich auf mich war, lieber Leser. Das war ein ganz großartiges Gefühl. Wie sagte schon Samuel Beckett?

„Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

So brachte mir mein Scheitern und meine Wut doch so einiges an Erkenntnis, die ich nicht vorenthalten will; es folgen also meine Pro-Tipps zum Planned Pooling:

  • Nimm eine große Häkelnadel. Du wirst immer mal wieder lockerer und dann wieder fester häkeln müssen um den Mustersatz richtig zu verschieben – wenn deine Nadel zu klein ist, wird der Schal schnell brettig.
  • Häkel mit v-Festen Maschen und nicht mit x-Festen Maschen. Das Muster darf sich beim Planned Pooling immer nur um eine bestimmte Maschenzahl verschieben, du hast zwar einen gewissen Spielraum, der ist mit einer halben Maschen in die eine oder andere Richtung aber sehr begrenzt und wahrscheinlich wirst du diese halbe Masche immer mal wieder brauchen, so ging es mir.
    Bei x-Festen Maschen entsteht im Maschenbild ein kleines x – das sieht man sehr häufig bei Amigurumis und auch mir gefällt das besser. Bei dieser Art Masche häkelst du die feste Masche wie folgt: durch die Masche, Nadel ÜBER die Masche holen, Faden über die Masche – fertig. Durch das x, welches so entsteht verkreuzen sich die Fäden und der Spielraum der halben Masche wird dir genommen. Du solltest also mit v-Festen Maschen arbeiten. Du findest hier ein Videotutorial wie man die häkelt. Ich will hier nichts verkomplizieren; bei der v-Festen Masche häkelst du auch nur eine normale feste Masche, nur dass du den Faden immer über die Nadel legst.
    Jeder Häkelmensch lernt das Häkeln anders und vielleicht hast du die festen Maschen ohnehin so gelernt und liest diesen Absatz und fragst dich, was zur Hölle ich von dir will.. wie dem auch sei, ich hoffe dieser Absatz konnte ein wenig helfen.
  • Nimm dir am Anfang die Zeit und die Ruhe, die du brauchst. Du wirst nur frustriert sein, wenn es nicht so klappt wie es soll. Deshalb empfehle ich gerade am Anfang ordentlich konzentriert zu arbeiten bis man den Dreh raus hat. Danach kommt die Kür.
  • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Aaah, wie oft habe ich diesen Satz von eifersüchtigen Menschen schon gehört – hier ist er aber wirklich angebracht: kontrolliere deinen Farbversatz und deine Reihen und wenn du dir unsicher bist, ribbel deine Arbeit ein Stückweit auf und/oder vergleiche deine Arbeit mit fertigen Ergebnissen im Internet. Sobald du einne „groben“ Fehler gemacht hast, verschiebt sich dein Muster. Der Fehlerteufel ist hier besonders böse und steckt im Detail.
  • Keine Panik! Fang nicht mit diesem aufgeregten und unguten Bauchgefühl mit der Häkelei an. Es sind nur feste Maschen und Luftmaschen, du kannst das, du hast schon tausende davon gehäkelt. Die Technik ist wirklich nicht besonders kompliziert und sobald du dahinter gestiegen bist, wird es sogar noch simpler. Du kannst das!

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Ich habe insgesamt gut 1,5 Wochen für den Schal gebraucht; ich habe mehrere Stunden am Stück gehäkelt und ihn auch zur Terminen fürs Wartezimmerbtfmdn mitgenommen. Nachdem ich die Startschwierigkeiten überwunden hatte, konnte ich dabei auch sehr gut netflixen. Ich würde mich selbst als nicht außergewöhnlich schnelle Häkeltante beschreiben, aber ich bin defintiv nicht langsam. Wie lange man also für den Schal braucht, ist sehr individuell. Das Ergebnis ist die Mühe und den Auwand definitiv wert, ich trage den Schal sehr gerne und mag das hautgefühl. Warm ist er auch und ich habe schon viele Komplimente von Freunden und Bekannten für mein neuestes Baby bekommen.

 

Ich hoffe sehr, dass dieser Artikel hilreich war und den ein oder anderen für die Planned Pooling Technik begeistern konnte – ich hoffe sehr darauf, dass mir diesen Herbst und Winter noch einige Menschen mit so einem Schal begegnen und um das etwas zu fördern verlose ich in Kooperation mit Veronika Hug zwei Knäuel in Wunschfarbe auf meiner Instagramseite. Wenn du mitmachen willst, brauchst du nur einen Instagramaccount. Klick auf den Link um auf meine Seite zu gelangen und um mehr über die Teilnahmebedingungen zu erfahren.
Hast du schon Erfahrungen mit der Technik oder ist das absolut nichts für dich? Erzähl es mir in den Kommentaren, ich freu mich drauf ❤

 

 

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11 Kommentare zu „Planned Pooling: wie ich eine neue Technik lernte und mich in einen Schal verliebte

  1. Dein Schal sieht klasse aus! 😊
    Ich habe mich mit dem Thema noch nicht befasst. Das sollte ich wohl dringend nachholen, denn ich finde das Muster richtig klasse! Und das geht mit jedem Farbverlaufsgarn?
    Liebe Grüße, Valentina.

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