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Von guten Testhäklern und guten Designern – der Versuch eines Dialogs

Kurz nach Veröffentlichung dieses Beitrags hat mir Caroline Prange geschrieben – sie ist eine tolle Bloggerin und Designer – und hat mir ihren Artikel zum Thema Teststricker werden empfohlen. Nun, was soll ich sagen? Der Artikel ist super und ich kann ihn nur jedem Leser ans Herz legen – genauso wie alle anderen Artikel auf dem Blog auch ❤
Wenn man regelmäßig bei Facebook und Instagram unterwegs ist und sich fürs Häkeln interessiert, dann ist es nahezu unmöglich die ganzen Aufrufe zu nicht zu sehen:

Designer suchen Testhäkler,
Testhäkler zeigen ihre fertigen Projekte,
Designer werben für ihre neuen Anleitungen .. wie viel Arbeit hinter so einer Anleitung steckt, habe ich ja bereits gezeigt.
Aber wie steht es eigentlich ums Testhäkeln? Wie werde ich Testhäkler? Was macht einen guten Tester aus? Und: wie finde ich als Designer einen zuverlässigen und guten Tester? Du siehst, lieber Leser – rund ums Testen und Designen gibt es jede Menge Fragen. In diesem Post möchte ich einige davon aufgreifen und beantworten – sowohl aus der Perspektive eines Designers als auch aus der Sicht eines Testers.

Wieso mache ich das? Ich lese so oft in sozialen Netzwerken dieselben Fragen und ich verspüre das Bedürfnis diesen auf den Grund zu gehen und einen Leitfaden zu erschaffen – für mehr Verständnis und mehr Miteinander. Manchmal kommt mir so eine Frage in den Sinn und wenn ich sie bei Instagram stelle, bekomme ich eine unglaubliche Flut an Nachrichten – Bedarf gibt es also. Was bezwecke ich damit? Hilfe. Für jeden. Dialog, Kommuniktion und ganz viel Liebe. Damit das beste Hobby der Welt kein bisschen frustriert.
Wenn du auch eine Idee für so einen Beitrag hast oder dir eine Frage unter den Nägeln brennt, dann lass es mich unbedingt wissen!

Starten wir hier doch mit den Fragen rund ums Testhäkeln, den Forderungen an die Designer und den Anforderungen an die Tester:

Die folgenden Antworten und Tipps stammen zum Teil aus den Nachrichten, die mir Designer über Instagram geschrieben haben und zum Teil aus meinen eigenen Ansichten und Erfahrungen – sowohl als Designerin als auch als Testerin.

Wie werde ich eigentlich Testhäkler?

Nun, das geschieht eher zufällig oder geplant – es wird auf jeden Fall kein großer Häkelmeister kommen und dich mit der Häkelnadel zum ersten Testhäklerritter schlagen.
Wenn du oft auf social media unterwegs bist, dann wirst du sicherlich deine liebsten Designer haben und diese werden eventuell Aufrufe posten. Manche Designer haben allerdings schon ihren „Stammtisch“ – dazu später mehr. Im Grunde hast du also drei Möglichkeiten Testhäkler zu werden:

  1. Bewerbe dich auf den Aufruf eines Designers – wenn es einen gibt.
  2. Warte darauf, dass der Designer dich entdeckt und anschreibt – wenn es sich nicht gerade um einen „kleinen“ Designer handelt und du keinen „großen“ Account hast, ist das eher unwahrscheinlich.
  3. Schreib den Designer selbst an. Sag ihm, dass du seine Werke bewunderst und biete dich als zukünftige Hilfe an.

Und was sollte ich als Testhäkler können?

  • Um es ganz plump auszudrücken: Häkeln. Du solltest schön häkeln können und kein blutiger Anfänger sein. Dein Testwerk repräsentiert in gewisser Weise auch die Arbeit des Designers – und der möchte natürlich Werbung für sich.
  • Du solltest gute Fotos machen können – klar sagen die Fotos nichts über deine Fähigkeit im Häkeln aus, aber sie sind dein Aushängeschild. Wieso? Nun, denk mal an die tollen Essensfotos in Speisekarten oder auf Verpackungen – die sagen auch nichts über den Geschmack aus, aber machen ordentlich Appetit.
  • Fehlerfindefuchs sollte dein zweiter Vorname sein. Du solltest in der Lage sein die Fehler in Häkelanleitungen zu finden, aber auch Rechtschreib- Grammatik- und Formatierungsfehler sollten von dir gefunden werden. Darum geht es im Grunde beim Testen.

Wann sollte ich das mit dem Testhäkeln besser sein lassen?

  • Ganz wichtig: Wenn es dir nur um eine kostenfreie Anleitung geht. Zum einen vernachlässigst du dann das Testen, zum anderen wird dich jeder gefundener Fehler fürchterlich nerven. Das Testen einer Anleitung kann ganz schön aufwendig sein und man sollte es mit Liebe und Hingabe machen – das Gegenteil wird jeder merken.
  • Wenn du nicht genau liest, was der Designer in seinem Aufruf schreibt. Ich fordere meine potentiellen Tester oft auf mir zu beweisen, dass sie den Text gelesen haben indem sie ein bestimmtes Emoji verwenden. Jedes Mal aufs Neue bin ich überrascht, wie viele diese Anweisung ignorieren oder übergehen und es ärgert mich. Wie oft waren das tolle und talentierte Menschen, die ich nur zu gerne hätte testen lassen ..
    Wenn du sowas übergehst, zeigt es, dass du die Häkelanleitung wahrscheinlich genauso behandeln wirst wie einen kurzen Text. Das möchte niemand riskieren.
  • Wenn du dich nicht an die Vorgaben des Designers halten kannst – oft schreiben Designer, dass man z.B. 2 Wochen Zeit hat – wenn du dir nicht sicher bist ob du das schaffst, dann bewirb dich nicht. Das bedeutet Stress für dich und Stress für den Designer und das ist doof für alle.

Noch ein paar Tipps für Testhäkler, die sich bei Designern „bewerben“ oder sie direkt anschreiben:

  1. Sei nicht fordernd. Du hast kein Grundrecht darauf ausgewählt zu werden.
  2. Aus ganz persönlicher Sicht: In der Kürze liegt die Würze: Oft lese ich Kommentare die wahre Lobeshymnen auf mich sind und das finde ich persönlich viel zu übertrieben – hey, wir kennen uns nicht und das was du schreibst ist echt nett, aber so viel Liebe kriege ich nicht mal von meiner Familie aufeinmal 😀
    Andererseits: bitte auch nicht zu kurz: ein simples „Jo. würd testen“ empfinde ich persönlich als arrogant. Es klingt für mich so, als würde der Kommentator sich dazu niederlassen und seine kostbare Zeit für mich opfern, damit ich endlich zufrieden bin.
    Wie in allen Bereichen des Lebens gilt: ein gesundes Mittelmaß ist am Besten.
  3. Bitte nicht beleidigt sein, wenn du nicht ausgewählt wirst.
  4. Hab ein öffentliches Profil – so kann man sich einen Eindruck von deinen Bildern und Werken verschaffen.
    Ich fordere das eigentlich immer und es haben mich sicher schon zwei oder drei böse Nachrichten erreicht. Die Botschaft in der Quintessenz: „Nur weil du Tester suchst mache ich mein Profil nicht öffentlich, also entweder du vertraust mir oder du hast Pech!!!!“
    Ja, das ist tatsächlich so passiert. Pech hat dann allerdings nur der Absender; der wird nämlich niemals mein Tester werden.
    Niemand ist gezwungen sein Profil öffentlich zu halten, wenn er oder sie das nicht will – aber genauso ist kein Designer gezwungen diese Person auszuwählen.

Nun dürftet ihr schon einen ganz guten Eindruck bekommen haben, wie Designer ihre Tester auswählen – und vielleicht den ein oder anderen Tipp mitgenommen haben. Aber Designen und Testen gehen Hand in Hand und so wie Designer viel von ihren Testern erwarten, haben Tester auch bestimmte Forderungen an die Designer:

Liebe Designer,

ich weiß, wie verlockend es ist immer und immer wieder dieselben Leute testen zu lassen – diese Leute sind zuverlässig, finden alle Fehler und sind im Laufe der Zeit zu einer Art Freund geworden. Aber ich habe so, so viele Nachrichten bekommen, in der sich Menschen wünschen auch mal zu testen – auch wenn sie nur wenige Follower haben oder ihre Fotos nicht perfekt sind. Viele haben das Gefühl, dass so eine Bewerung hoffnungslos ist und sowieso nichts bringt.
Das kann ich verstehen. Deshalb eine kleine Bitte an euch: versucht neuen Leuten zu vertrauen. Lasst pro Testgang den ein oder anderen neu einsteigen und lasst euch überzeugen. Eventuell werdet ihr enttäuscht – aber ich spreche auch aus Erfahrung, dass es ne tolle Sache ist, wenn man endlich zum Testen ausgewählt wird. Ich weiß nicht mehr, was mein erstes Testwerk war, aber ich weiß noch wie sehr ich mich gefreut habe und wie gewissenhaft ich die Anleitung durchgearbeitet habe. Im schlimmsten Fall verliert ihr ein paar Nerven und im besten Fall findet ihr einen neuen Freund. Also gebt euch doch bitte ab und zu einen kleinen Ruck ❤

Was erwarte ich als Tester vom Designer:

  • Zuverlässigkeit. Es gibt Anleitungen die triefen nur so vor Fehlern und das passiert und ist kein Weltuntergang, aber Tester wollen den Designer erreichen können – wenn sie etwas nicht verstehen oder Fragen haben ist das eigentlich nur eine weitere Hilfestellung für den Designer.
  • Dankbarkeit. Was wären eure Anleitungen denn bitte ohne Tester, liebe Designer? Tester nehmen sich viele Stunden Zeit und wurschteln sich durch Fehler – eine kleine Erwähnung oder eine Nachricht, die Dankbarkeit ausdrückt sollte schon drin sein.
    Ich habe einmal für eine Designerin getestet und nachdem ich fertig war, kam nichtmal ein Danke oder ein Repost – nichts. Man testet nicht für Dankbarkeit aber auch wenn man seine Hilfe anbietet ist Wertschätzung ein absolutes Muss!
  • Vollständigkeit. Fehler passieren, klar. Aber wenn ganze Abschnitte fehlen und der Designer quasi erwartet, dass man seine Anleitung kompletiert, geht das gar nicht. Bei einem Umzug kommt man ja auch nicht an und erfährt, dass das Haus noch fix gebaut werden muss, oder?

Das, lieber Leser, ist die Essenz aus allen Nachrichten die ich bekommen und allen Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen, ein wenig Licht ins Dunkel bringen und wenn nicht: Was fehlt hier? Wie soll diese Reihe fortgeführt werden?
Für Kommentare in jede Richtung bin ich äußerst dankbar ❤

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5 Kommentare zu „Von guten Testhäklern und guten Designern – der Versuch eines Dialogs

  1. Hast alles schön zusammengefasst 🙂 Ich war soo glücklich als ich für dich Dackel Hans testen durfte ❤ und daweil wars mir noch so peinlich dass ich nicht mitbekommen habe, dass ich fürs Testhäkeln ausgewählt wurde und Du mich direkt anschreiben musstest 🙂 Liebe Grüße, Dani

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  2. Liebe Martyna, das war richtig interessant. Bisher habe ich nur einmal eine meiner Anleitungen testen lassen ( weshalb ich dazu nicht wirklich etwas sagen kann ), aber durfte schon viele Anleitungen testen. Die Ansichten einer Designerin zu erfahren, sind deshalb echt spannend für mich. Ich hoffe, mein Kopf-Körper-Tausch beim letzten Amigurumitest hat mich nun nicht disqualifiziert. ,-) Liebe Grüße Ella

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